20.07.2017

Suchtprävention auf Russisch - Zweisprachige Angebote der Diakonie-Suchtberatung

Wirksame Hilfe seit 20 Jahren: Das deutsch-russisch-sprachige Team der Diakonie-Suchtberatung mit (von links) Daniela Raifschneider, Olga Schneider, Natalie Ruder, Vitali Gorbovytsky, Maria Bauder, Irena Jekel und Klaus Polack unterstützt unter anderem Drogenabhängige. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Wirksame Hilfe seit 20 Jahren: Das deutsch-russisch-sprachige Team der Diakonie-Suchtberatung mit (von links) Daniela Raifschneider, Olga Schneider, Natalie Ruder, Vitali Gorbovytsky, Maria Bauder, Irena Jekel und Klaus Polack unterstützt unter anderem Drogenabhängige. Foto: Bärbel Recker-Preuin

pm Osnabrück. Die Sprache ist nicht nur das beste Mittel der Integration, sondern auch der Problembewältigung. Die Diakonie-Fachstellen für Suchtberatung in Osnabrück und im Landkreis bieten deshalb seit 20 Jahren zweisprachig Hilfe für russisch sprechende Menschen an. Fünf Fachkräfte begleiten in dieser Sprache auf dem Weg aus der Abhängigkeit.

Als vor gut 25 Jahren Aussiedler aus dem russischsprachigen Raum nach Deutschland übersiedelten, reagierte die Diakonie-Suchtberatung und holte sich Russisch sprechende Mitarbeiter ins Team. Auch nach 20 Jahren sei Suchtbegleitung in russischer Sprache ein erfolgreiches Angebot, teilt Klaus Polack, Geschäftsbereichsleiter Suchthilfe im Diakonischen Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück, mit. „Mit unseren Mitarbeitern können wir jede Unterstützung in russischer Sprache anbieten“, ergänzt Daniela Raifschneider, Fachstellenleiterin in Bramsche.

Anfangs startete die Suchtberatung in Belm und Osnabrück mit russischsprachiger Substitutionsbehandlung und psychosozialer Begleitbetreuung drogenabhängiger Menschen, fünf Jahre später gab es die erste Therapiegruppe in russischer Sprache in Georgsmarienhütte. Damals sei für viele Aussiedler die Erwartung an die neue Heimat zu hoch gesteckt gewesen, hinzu kam die Trennung von Familie und Freunden, die häufig in die Abhängigkeit von Alkohol und Drogen geführt habe, weiß Daniela Raifschneider.

Als die Diakonie-Suchtberatung vor 20 Jahren ihre zweisprachige Arbeit begann, hatten fast 60 Prozent aller betreuten Drogenabhängigen einen russischsprachigen Migrationshintergrund. Seit einigen Jahren liegt der Anteil konstant bei 14 Prozent.

Die zweisprachigen Mitarbeiter Irena Jekel, Natalie Ruder, Olga Schneider, Maria Bauder, Daniela Raifschneider und Vitali Gorbovytsky finden leichter den persönlichen Zugang für die Hilfe aus der Sucht. Ihre Erfahrung zeigt: Die Betroffenen und ihre Angehörigen sprechen ihre Sucht- und Sozialprobleme am liebsten in ihrer Muttersprache an. Auch 20 Jahre nach dem Zuzug nach Deutschland ist die Substitution eine unverzichtbare Säule der Suchttherapie, versichert Maria Bauder. Seit 18 Jahren leitet die Ärztin die Substitutionsambulanz des Diakonischen Werkes in Stadt und Land Osnabrück, das heißt: Sie behandelt Drogenkranke mit Ersatzstoffen. „Die Menschen haben während der Substitutionsbehandlung ihr Leben neu aufgebaut, sie haben ihre Familie, ihren Arbeitsplatz und ihr Haus. Würde die Substitution aussetzen, würden viele alles verlieren“, so Maria Bauder.

Natürlich können russischsprachige Menschen wählen, in welcher Sprache sie Hilfe erhalten möchten. „Beides – auf Deutsch oder Russisch – ist möglich“, so Klaus Polack. Die Hauptsache ist, dass das Gespräch stattfindet, am besten in der Sprache, in der Probleme am einfachsten über die Lippen kommen.

Kontakte: Telefon 0176/ 99 45 49 26 (auf Russisch),
Internet www.suchtberatungsstelle.de

Neue Osnabrücker Zeitung/ Bärbel Recker-Preuin/ 18.07.2017