09.08.2017

Betriebliche Sozialberatung - Diakonie hilft, Arbeit und Pflege zu vereinbaren

Die Diakonie Osnabrück hat ein Konzept erarbeitet, das Arbeitnehmern helfen soll, ihren Beruf und die Pflege von Angehörigen besser zu vereinbaren. Foto: dpa

Die Diakonie Osnabrück hat ein Konzept erarbeitet, das Arbeitnehmern helfen soll, ihren Beruf und die Pflege von Angehörigen besser zu vereinbaren. Foto: dpa

Osnabrück. Die Diakonie Osnabrück hat ein Konzept erarbeitet, das Arbeitnehmern helfen soll, ihren Beruf und die Pflege von Angehörigen besser zu vereinbaren. Wenn ein Mensch plötzlich pflegebedürftig wird, ist es häufig an den Angehörigen, sich in Themen wie Pflegestufen und Betreuungsmöglichkeiten einzuarbeiten. Zusätzlich zum eigenen Job kann das zum Kraftakt werden. Die Diakonie in Stadt und Landkreis Osnabrück hat daher ihre betriebliche Sozialberatung erweitert und als neuen Baustein ein Konzept erarbeitet, bei dem es speziell um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf geht.

37 Betriebe berät die Diakonie in Stadt und Landkreis, darunter tetra, Schöller und Behörden. Es geht um Suchtberatung, Finanzcoaching oder Krisenintervention. Der Arbeitgeber zahlt die Beratung. Die Rechnung ist einfach: Wenn ein Mitarbeiter private Probleme hat, ist es effektiver und spart damit Geld, wenn der Angestellte professionelle Beratung in Anspruch nimmt.

Rund drei Millionen Menschen sind aktuell in Deutschland pflegebedürftig. Tendenz stark steigend. Den Bedarf spüren auch die Berater des Diakonischen Werkes. „Die Anfragen im Bereich Pflege haben zugenommen“, sagt Heiko Christian Grube, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes in Stadt und Landkreis Osnabrück. „Die Leute haben keine Lust, ins Altenheim zu gehen. Sie wollen zu Hause bleiben.“ Dann stellten sich jedoch Fragen: Wie bekomme ich einen Hausnotruf? Wie bekomme ich Essen auf Rädern? Wie stelle ich Anträge?

Mittlerweile gibt es Ansprüche auf Freistellungen und Unterstützungsgelder, wenn Angehörige gepflegt werden müssen. „Ich glaube, dass wir ein überwiegend funktionierendes Sozialsystem haben, aber es besteht die Gefahr, dass man sich im Angebotsdschungel verläuft“, sagt Grube. Als Wegweiser durch den Dschungel hat die Diakonie ein Konzept erarbeitet, mit dem sie ihre Beratung in Unternehmen erweitert. „PIA“ heißt das Programm. Das steht für „Pflege in der Arbeitswelt“. Dazu gehört die Vermittlung von Hausnotrufdiensten, die ambulante Versorgung Pflegebedürftiger, Tagespflege oder auch die dauerhafte Aufnahme in Pflegeeinrichtungen. „Wir sind Vermittlungslotse“, sagt Grube.

Die Diakonie hilft auch, wenn ein Mitarbeiter selbst erkrankt oder nicht mehr arbeiten kann. Ein Mitarbeiter eines Osnabrücker Unternehmens, der anonym bleiben möchte, hat diese Erfahrung gemacht. Nach einer schweren Erkrankung hat er über die betriebliche Sozialberatung die Hilfe der Diakonie in Anspruch genommen. Der Berater half bei den Themen Rente und Reha. „Ich hätte nicht gewusst, wie ich da vorgehen soll“, sagt der Mann. „Es ist super, wenn man jemanden hat, der weiß, wie das funktioniert.“

Auch das niedersächsische Gesundheitsministerium ist auf das Konzept der Diakonie aufmerksam geworden. Es sei ein Gewinn für Arbeitnehmer und Unternehmen und leiste einen „wichtigen Beitrag, um Beruf und Pflege besser zu vereinbaren“, sagte ein Ministeriumssprecher. „Das Projekt entlastet die Beschäftigten von Informationsbeschaffung und gewährleistet, dass sie an ihren Arbeitsplätzen verbleiben können und Ausfallzeiten in den Betrieben minimiert werden.“

Neue Osnabrücker Zeitung/ Stefanie Witte/ 31.07.2017